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Autohandel 26. Oktober 2026 7 Min Lesezeit

Standzeit bei Gebrauchtwagen: Was sie kostet und wie Sie sie senken.

Ein Gebrauchtwagen verdient erst Geld, wenn er verkauft ist. Bis dahin bindet er Kapital, verliert jeden Monat an Wert und belegt Platz auf dem Hof. Die Standzeit ist deshalb die wichtigste Kennzahl im Gebrauchtwagenhandel, und trotzdem kennen viele Händler sie nur gefühlt. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie die Standzeit sauber berechnen, was ein Langsteher wirklich kostet und welche Maßnahmen in der Praxis helfen.

Standzeit berechnen

Die Formel ist einfach: Verkaufsdatum minus Einkaufsdatum ergibt die Standzeit in Tagen. Für Fahrzeuge im Bestand nehmen Sie das heutige Datum. Entscheidend ist, welches Einkaufsdatum Sie verwenden. Zählen Sie ab dem Tag, an dem Sie das Fahrzeug bezahlt haben, denn ab dann ist Ihr Geld gebunden. Wer erst ab dem Inseratsdatum zählt, rechnet sich die Aufbereitungszeit schön.

Für den Gesamtbetrieb interessant sind die durchschnittliche Standzeit aller verkauften Fahrzeuge der letzten zwölf Monate, die aktuelle Standzeit des Bestands und der Anteil der Fahrzeuge über 90 Tagen. Daraus ergibt sich der Lagerumschlag: 365 Tage geteilt durch die durchschnittliche Standzeit. Bei 60 Tagen Standzeit dreht sich der Bestand sechsmal im Jahr, bei 120 Tagen nur dreimal, mit demselben Kapital.

Was ein Standtag kostet

Beispiel: Fahrzeug mit 15.000 € Einkaufspreis
Kapitalkosten (8 % p. a. auf 15.000 €)ca. 3,30 € / Tag
Wertverlust (1,5 % vom Marktwert je Monat)ca. 7,50 € / Tag
Platz, Pflege, Inserate, Versicherung anteiligca. 2,00 € / Tag
Kosten je Standtagca. 12,80 € / Tag

Nach 90 Tagen sind das rund 1.150 €, nach 180 Tagen rund 2.300 €, oft mehr als die ursprünglich kalkulierte Marge.

Die Zahlen sind Richtwerte und hängen von Preisklasse, Finanzierung und Marktlage ab. Die Richtung ist aber immer gleich: Ein Fahrzeug, das nach 120 Tagen mit 500 € mehr Marge verkauft wird als nach 45 Tagen, hat trotzdem Geld gekostet. Deshalb gilt in gut geführten Betrieben: Lieber früh mit kleinerer Marge verkaufen als spät mit großer.

Warum Fahrzeuge zu lange stehen

Die Ursachen sind meist dieselben: zu teuer eingekauft, weil der Marktpreis beim Einkauf nicht geprüft wurde. Zu hoch ausgezeichnet, weil die Marge im Kopf feststand. Schlechte Fotos und unvollständige Inserate. Aufbereitung, die Wochen dauert. Und vor allem: Niemand merkt, dass das Fahrzeug schon 100 Tage steht, weil die Information in keiner Liste auftaucht.

Sieben Maßnahmen, mit denen Händler die Standzeit senken

  1. Standzeit sichtbar machen. Jedes Fahrzeug in der Bestandsliste mit Standtagen, Langsteher farblich markiert. Was man sieht, handelt man.
  2. Feste Preisstufen. Nach 30, 60 und 90 Tagen wird der Preis automatisch überprüft und angepasst, nicht erst, wenn der Platz gebraucht wird.
  3. Marktpreis beim Einkauf prüfen. Der Verkaufspreis wird vom Markt bestimmt, nicht vom Einkaufspreis plus Wunschmarge. Mindestverkaufspreis am Fahrzeug hinterlegen.
  4. Aufbereitung in Tagen messen. Vom Einkauf bis zum Inserat sollten nicht mehr als fünf Werktage vergehen. Status „Aufbereitung“ im Bestand pflegen.
  5. Nach Marke und Lieferant auswerten. Welche Modelle und welche Einkaufsquellen bringen kurze Standzeiten und gute Margen? Dort mehr einkaufen, anderswo weniger.
  6. Gebundenes Kapital begrenzen. Eine Obergrenze für den Bestandswert verhindert, dass Langsteher den Einkauf neuer, schneller Fahrzeuge blockieren.
  7. Konsequent abgeben. Was nach 120 Tagen nicht verkauft ist, geht an den Händlermarkt oder in die Auktion. Der Verlust ist meist kleiner als weitere drei Monate Standkosten.

Standzeit in der Software statt in Excel

In Excel bedeutet Standzeit eine Formel je Zeile, die irgendwann jemand überschreibt. In Autohaus Inventur wird die Standzeit für jedes Fahrzeug automatisch vom Einkaufsdatum bis heute oder bis zum Verkauf berechnet und in der Fahrzeugliste als Balken angezeigt. Die Auswertungen zeigen durchschnittliche Standzeit, gebundenes Kapital, Marge nach Marke und Lieferant und ein Ranking der Fahrzeuge. Weil der Einkaufspreis aus dem importierten Einkaufsbeleg stammt und der Verkaufspreis aus dem Kaufvertrag, stimmen die Zahlen, ohne dass jemand sie pflegt.

Fazit

Die Standzeit entscheidet im Gebrauchtwagenhandel über Gewinn oder Verlust, und sie lässt sich nur steuern, wenn sie für jedes Fahrzeug sichtbar ist. Rechnen Sie ab dem Bezahltag, setzen Sie feste Preisstufen, werten Sie Marken und Lieferanten aus und trennen Sie sich konsequent von Langstehern. Wer die Kennzahl täglich vor Augen hat, verkauft schneller und kauft besser ein.

Standzeit und Marge auf einen Blick

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Häufige Fragen

Wie berechnet man die Standzeit eines Gebrauchtwagens?
Standzeit in Tagen ist das Datum des Verkaufs minus das Datum des Einkaufs. Für Fahrzeuge, die noch im Bestand sind, zählt das heutige Datum minus Einkaufsdatum. Als Einkaufsdatum gilt der Tag, an dem das Fahrzeug bezahlt wurde und damit Kapital bindet, nicht der Tag, an dem es inseriert wurde.
Was ist eine gute Standzeit für Gebrauchtwagen?
Als Richtwert gelten im deutschen Gebrauchtwagenhandel 60 bis 90 Tage. Marktgängige Fahrzeuge in der Preislage von 10.000 bis 25.000 € sollten innerhalb von 60 Tagen verkauft sein. Ab 90 Tagen spricht man von einem Langsteher, ab 180 Tagen wird das Fahrzeug in der Regel zum Verlustgeschäft.
Was kostet ein Fahrzeug, das zu lange steht?
Drei Posten laufen jeden Tag: Zinsen für das gebundene Kapital (bei 8 % Jahreszins und 15.000 € Einkaufspreis rund 3,30 € pro Tag), Wertverlust (etwa 1 bis 2 % des Marktwerts pro Monat, also 5 bis 10 € pro Tag) und anteilige Platz-, Pflege- und Inseratskosten. Zusammen kostet ein Fahrzeug in dieser Preislage schnell 10 bis 15 € pro Standtag.
Welche Kennzahlen sollte ein Autohaus beim Bestand im Blick haben?
Durchschnittliche Standzeit, Anzahl und Anteil der Fahrzeuge über 90 Tage, gebundenes Kapital im Bestand, Marge je Fahrzeug in Euro und Prozent, Lagerumschlag pro Jahr und die Standzeit nach Marke, Preisklasse und Lieferant. So erkennen Sie, welche Einkaufsquellen und Modelle sich lohnen.